Biographie einer Stadtflüchtigen

WER ?
Geboren im Berliner Osten, aufgewachsen in West-Berlin, lebe und arbeite ich seit 2001 in der Altmark in Sachsen-Anhalt, also in der Provinz, auf dem platten Land sozusagen.
Kulturinteressiert, politisch aktiv und typisch Großstadt geprägt immer unterwegs, konnte ich mir ein Leben ohne Berlin nicht vorstellen.

WARUM ?
Über meine Lust am guten Essen und das Kochen mit guten Zutaten wuchs mein ökologisches Interesse. Wo kommen die Produkte eigentlich her? Warum schmeckt Biomilch so viel besser? Wie und wann wachsen Mangold und Fenchel?

WIE WEITER ?
Als gelernte Erzieherin war ich immer in Kontakt mit Menschen – doch jetzt wollte ich das Leben der Tiere und Pflanzen kennenlernen und entschloss mich 1992 zu einem Jahres-Praktikum auf einem Bauernhof im Wendland in Niedersachsen.
Begeistert von der „Handarbeit“ auf dem Feld, der erholsamen Ruhe in der Natur, der klaren, frischen Luft und von den Menschen im Wendland habe ich schließlich der Stadt den Rücken gekehrt.

UND NUN ?
Glücklicherweise fand ich gleich nach meinem Praktikum einen Job, in dem ich mein altes und ein neues Berufsleben verbinden konnte: 5 Jahre arbeitete ich als Betreuerin auf einem Biolandbetrieb mit geistig behinderten Erwachsenen u.a. im Gartenbereich, bis wieder einmal der Wunsch nach Veränderung auftauchte.

ABER WAS ?
Auf der Suche nach einer kreativen Idee „entdeckte“ ich auf einer Ökomesse einen Verkaufsstand der, neben anderen Geräten, eine Nudelmaschine zum Verkauf anbot.
Drei Jahre Vorbereitung waren nötig, bis die Finanzierung stand und im Dezember 2002 Teigkneter, Nudelmaschine und Trockenschrank in Betrieb genommen werden konnten.
Bis zum offiziellen Nudelstart gingen weitere drei Monate ins Land, in denen wir (mein Ehemann und ich) Nudeln probierten, verfeinerten, Freunde zu Verkostern wurden und wir mit der Qualität der Zutaten, den Rezepturen, der optimalen Trocknung und der Verpackung rundum zufrieden waren.

WANN DENN NUN ?
Himmelfahrt 2003 konnte auf der kulturellen Landpartie im Wendland endlich die erste Nudeltüte verkauft werden.

WO EIGENTLICH ?
In Hilmsen in der Altmark haben wir, Frieder und ich, einen ehemaligen Bauernhof gefunden, der eine LPG überstand, auf dem wir unsere betrieblichen Ideen begründen und aufbauen konnten. So lebt mit uns auf dem weitläufigen Gelände und auf 28 Hektar Pachtland, eine Mutterkuhherde: 20 Mutterkühe mit ihren Kälbern. Die Absetzer verkaufen wir einmal jährlich an regionale Betriebe.

ANGEKOMMEN ?
Der große Zuspruch unserer Kunden und die Auszeichnung des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt mit dem Gründerpreis „Perspektiven 2004“ bestätigen unsere Arbeit und unsere Entscheidung für ein Leben auf dem Lande.

UND NUN MIT MANPOWER ?
Frieder war auch nicht immer Biobauer, sondern ursprünglich ebenfalls städtisch geprägt.
Ende der Achtziger pachtete er einen kleinen Bauernhof im Wendland, hat sich die Milchviehwirtschaft mit Futtergewinnung, das Melken, das Käsen selbst beigebracht bzw. von anderen abgeguckt. 20 Jahre lang.
Der zeitliche Aufwand war immens und Nachfolger nicht in Sicht, Frieder entschloss sich seine Kühe zu verkaufen und seine Käserei bei einem Kollegen einzurichten. Viele Jahre betrieb er die vermutlich kleinste Molkerei Deutschlands. Neben handwerklich hergestellten, stichfesten, herzhaften Joghurts produzierte Frieder Käse, der meist ausverkauft war und als regionale Spezialität galt.
Der unvorhergesehene, plötzliche Tod des Bauern, der enorme Preisverfall von Milchprodukten, der Erfolg der Nudelwerkstatt führten zu der Entscheidung des endgültigen Aus für die kleine Käserei und zur Unterstützung in der Nudelwerkstatt.